Wolfgang

Tanztheater

von backsteinhaus produktion

Wenn der Mensch auf die Hände fiele, als Vierfüßler ginge, sich sein Fell stehen ließe und heulte, so wäre evolutionär ein bedeutender Schritt getan. Wieviel besser wäre der Wilde, der zornige, der Abgehängte, der Erniedrigte und Beleidigte dann. Keine Hatespeech, keine Hände frei für Waffen oder Besitz an sich zu raffen. Ein tropfendes Maul hätte er, nicht seine Nächsten zu fressen, sondern sie mit zurückgewürgter Nahrung zu versorgen. So wäre er endlich kein Gefährder mehr und bewegte sich völlig unschuldig, frei über alle Grenzen hinweg und wäre reinen Herzens.

Ein Stück für eine Sprecherin, einen Dirigenten, einen Musiker und Trucker, einen Chor, fünf bis sechs Tänzer*innen und ein Kind. Als Wölfe tanzen sie in ein Europa zurück, aus dem sie für lange Zeit vertrieben waren. Territorialisierung, ob kartografisch, biologisch evolutionär oder einfach nur in den Köpfen, ist ein einschneidender Vorgang. backsteinhaus produktion rückt diesem Vorgang auf den Leib und folgt ihm mit leisen Samtpfoten bis zur Grenze der eigenen Möglichkeiten. Heulend zerren die Wölfe an den Schranken unseres Denkens und reißen am Bild des Fremden, des Eindringlings und des Angstmachenden. Einsturzgefährdet lassen sie die Mauer zurück und zeigen uns, wie friedliches und soziales Miteinander harmlos und gefahrlos gelebt werden kann.

Tanz und Schauspiel: Chloé Beillevaire, Jean Bermes, Steven Chotard, Giancarlo D’Antonio, Isabelle v. Gatterburg, Heiko Giering, Joscha Halder, Caroline Intrup, Andreia Rodrigues

Team: Nicki Liszta (Künstlerische Leitung, Choreografie), Isabelle von Gatterburg (Produktionsleitung, Künstlerische Assitenz), Heiko Giering (Komposition & Musik), Valentin Eisele (Bühne & Kostüm), Caroline Intrup & Martina Grohmann (Dramaturgie), Michael Guserle (Hospitanz). In Kooperation mit dem Theater Rampe.

Premiere: 12. Oktober 2017 | Theater Rampe, Stuttgart

Gastspiel: 18. Oktober 2018 | Seoul International Dance Festival, Korea

Weitere Termine:
16., 17. & 18. Mai 2019 | Theater Rampe, Stuttgart

Pressestimmen

»… weil die Choreografin Nicki Liszta über dieses Raubtiergehege herrscht, erwartet die Zuschauer ein ungewöhnlicher Tanztheaterabend, bei dem Konstellationen aufgebrochen und Regeln auf den Kopf gestellt werden – so intensiv, dass schnell klar wird: Mit dem Wolf geht es um die Mauer in unseren Köpfen, um die Fähigkeit, wach und wandelbar zu sein statt träge und voreingenommen.
Liszta ist eine Meisterin darin, Themen durch räumliche Nähe zu vermitteln … von einer ›persönlichen Performerin‹ betreut, muss sich niemand fürchten, wenn er plötzlich unter Wölfen ist. ...
Nicht wie wir leben wollen, ist die Frage, sondern wie wir Zusammenleben können: Nicki Liszta findet für die Spannungen der Zeit tierisch gute Bilder.« Andrea Kachelrieß, Stuttgarter Nachrichten, 14. Oktober 2017

»Macht’s euch nicht zu gemütlich: Nur Dasitzen und Zugucken reicht bei Nicki Liszta nicht. Bei den tanztheatralischen Unternehmungen der Stuttgarter Choreografin weiß man nie so genau, was als Zuschauer auf einen zukommt. Auch bei ›Wolfgang‹ im Theater Rampe zieht man ab und zu vor Schreck den Kopf ein. …
Währenddessen geht eine Beraterin im Dunkeln von Tisch zu Tisch und schwärmt von der Eleganz der Tiere ... Einschmeichelnd wie bei den besten politischen Verführern changieren ihre Worte im Ton, plötzlich spricht sie von striktem Wolfsmanagement, von Zäunen und Infrarotkameras: ›Der Wolf ist und bleibt der Fremde‹ ...
Trotz aller Zweifel keimt manchmal fast die Hoffnung, dass wir alle das Wilde noch in uns haben. Neben dem großartigen, an sämtliche Grenzen gehenden Ensemble macht Heiko Gierings Live-Musik einen wesentlichen Teil des spannenden Abends aus.« Angela Reinhardt, Eßlinger Zeitung, 14./15. Oktober 2017

Trailer

 

›Wolfgang‹ bei backsteinhaus produktion